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Unterkunft

Rennsteigwanderung im Juni 2014

Rennsteigwanderin Connie Bullwinkel

Gemäß der Autorin Katrin Zita „Allein reisen macht nicht einsam, sondern stark“, machte ich mich im Juni auf den Weg zum Thüringer Rennsteig zu einer Wandertour. Geplant war, den gesamten Rennsteig in einem Rutsch in acht Tagen von Hörschel nach Blankenstein (168 Km) zu durchwandern.
Hotels und Gepäcktransport zu den Hotels wurde von mir über Pura-Reisen gebucht. Um die An- und Abreise kümmerte ich mich selbst. Online druckte ich mir Fahrkarten und Platzreservierungskarten für die An- und Abreise per Bahn aus.

1.  (Anreise-) Tag

Ankunft mit dem Zug an einem Samstagnachmittag in Eisenach. Nach der Anmeldung beim freundlichen Empfang im Hotel Kaiserhof bummelte ich bei schönstem Wetter durch die Wartburgstadt und kam an das schöne Theater. Abends sollte das Musical  „Martin Luther, Rebell wider Willen“ als Saisonstart gezeigt werden. 

Beim Abendessen im Eisenacher Restaurant „Der Zwinger“, das sich in meinem Hotel befand, wurde mir bei der Bemühung um eine Karte von einem netten Kellner geholfen. Glücklicherweise klappte es mit der Karte an der Abendkasse, und ich habe eine Vorstellung von höchster Qualität genossen. Ein großes Lob dem Ensemble für eine wunderbare musikalische und tänzerische Darbietung.

Start der Wanderung in Hörschel

2. Reisetag

Start der 1. Etappe am nächsten Tag in Hörschel, dem Tor zum Rennsteig . Bei strahlendem Sonnenschein und nur mit dem Rucksack für das Tagesgepäck ausgestattet,  ging´s los. Natürlich wollte ich nach altem Brauch einen Stein aus der Werra mit auf die Tour nehmen; die Werra hatte jedoch nicht mehr viele Steine anzubieten, deshalb musste ein „Randstein“ her. Nun wurde es aber Zeit, denn schließlich sollten fast 20 KM gewandert werden.
Meine negative Befürchtung, ich könnte mich verlaufen oder als Alleinreisende einen Wegweiser übersehen, hat sich glücklicherweise zu keiner Zeit bestätigt. Nie habe ich mich verloren oder alleine gefühlt; die vielen Hinweise, Hütten zum Rasten und freundliche Bewohner haben mir stets ein Gefühl von Sicherheit vermittelt.

typische Landschaft
Pferde am Wegrand

An diesem ersten Wandertag habe ich eine Gruppe Wanderer aus Thüringen, Schleswig-Holstein und der Oberlausitz bei einer Rast auf gefällten Baumstämmen getroffen, an die ich mich gerne erinnere. Eine sympathische, gut gelaunte kleine Gesellschaft, die ich abends im Hotel wieder treffen sollte. Ziel des ersten Wandertages war das Waldgasthaus u. Rennsteighotel „Hubertushaus Ascherbrück“. Die rustikale Unterkunft hatte einen  Balkon mit Blick auf riesige Tannen, die bei heißem Wetter angenehmen Schatten spendeten. Ich war reichlich früh im Hotel angekommen und habe die Zeit zur Entspannung genutzt. Später habe ich im Gasthaus zum Essen eingefunden, wo sich noch etliche Wanderer tummelten, die ich in den nächsten Tagen immer mal wieder traf.

Den restlichen Abend verbrachte ich mit der netten Baumstamm-Rastgruppe, nämlich Anni, Jutta und Sybille, die mit ihren Männern ebenfalls auf dem Rennsteig unterwegs waren. Eine rege Unterhaltung über die Region und allgemein entwickelte sich.
Meine Erfahrungen des ersten Wandertages:  ausreichend essen und trinken über den Tag verteilt; der Rucksack muss richtig sitzen und: Wanderer sind sehr fröhliche Menschen. Nach einigen Fotos von und mit der Wandertruppe, die gleich per Mail verschickt wurden, ging´s aufs Zimmer. Wie gut ich doch nach so einem anstrengenden Tag schlafen konnte.

Frühstück mit Wanderfreunden

3. Reisetag

Nach einem gemeinsamen Frühstück  mit meinen Wanderfreunden vom Vortag und einem herzlichen Abschied ging´s weiter Richtung Ebertswiese. Dieser Tag war der anstrengendste für mich, obgleich anstrengend gleichbedeutend ist mit tollen Landschaften erkunden. Unterwegs traf ich ein Münchner Ehepaar, die frohgelaunt ein Schwätzchen während einer Pause mit mir hielten. Der Tag wurde ohne große Unterbrechung gemeistert; die wunderschön gelegene Ebertswiese am Waldrand mit dem gleichnamigen Hotel war das ersehnte  Ziel dieses Tages und belohnte die Wanderer mit schönen Zimmern und einer guten Gastronomie. Unterwegs habe ich  meine Zimmer-Reservierung wegen meines späteren Ankommens telefonisch wiederholt. Man weiß ja nie…  Weil auf der Ebertswiese kein Handyempfang möglich ist, durfte ich mit dem Hotel-Telefon meine gute Ankunft nach Hause mitteilen, ein netter Service.

Felsen am Rennsteig
Rennsteig-Wanderweg

Abends in der Gaststube saß ich dann mit Toni und Renate (die Münchner) und Dennis aus Darmstadt noch eine kleine Weile gemütlich beisammen.
Meine Erfahrungen dieses Wandertages: Ab und zu die Socken ausschütteln, ein Staubkorn kann ganz schön mächtig sein; Kleidung dem wechselnden Wetter anpassen (ich glaube, ich habe mich erkältet). Öfter mal Pause machen.

Herrliche Aussichten am Rennsteig

4. Reisetag

Eine „Brotzeit“ für das zweite Frühstück kann man in jedem Hotel anfordern; für einen Obolus genießt man ein zweites Frühstück in der Natur. Die Servicedame in der „Ebertswiese“  hat sich besonders viel Mühe gegeben und das nicht ohne Grund; wie sich herausstellte, ist sie selbst jedes Jahr auf Schusters Rappen unterwegs. Nachdem mir die sympathische junge Frau noch schnell den richtigen Weg von der Wiese in den Wald gezeigt hatte, ging ich den dritten Wandertag meinem Ziel ein Stück entgegen.
An diesem Tag wanderte ich nur so lange alleine, bis Dennis aus Darmstadt auf mich traf. Unterwegs trafen wir etwas abseits des Wegs ein Ehepaar, das vor Ihrem Haus ein Stand mit gegrillten Würsten und anderen kleinen Leckereien anbot. Superlecker.
Den Rest des Weges zum nächsten Ziel Schmücke, erreichten wir gemeinsam. Müde und hungrig traten wir aus dem Wald, überquerten eine Straße und stießen auf ein unbewohntes Haus, dachte ich jedenfalls, denn es sah von dieser Seite verlassen aus. Als wir zur anderen Seite kamen zeigte sich, dass es sich um mein für heute gebuchtes Waldhotel "Schmücke“ handelte. Na ja, erstmal schauen, wie es von innen aussieht. Mein Stimmungspegel sank leicht, die Dame, die vom gegenüberliegenden Biergarten mit der Zigarette wedelnd zu uns gelaufen kam, um uns in Empfang zu nehmen, fertigte uns umständlich und unprofessionell ab. Der Zimmerschlüssel wurde mir überreicht mit den Worten: „Sie müssen da rausgehen, dann links, dann ins nächste Haus, Treppe hoch.“ Ich schnappte mein Gepäck, den Schlüssel (der trennte sich während meiner Zimmersuche von seinem Holzanhänger) und fand mich in einem Treppenhaus, das aussah, wie eine einsturzgefährdete Hausruine. Es stellte sich heraus, dass ich am falschen Ort war; ich musste ja noch ein Haus weiter. Komisch, der Schlüssel passte auch für dieses Schloss. Und ich hatte auch dort Zimmertüren mit Nummern drauf gesehen..  Mein Stimmungspegel sank weiter. Nun zeigte mir die Wirtin, die ich schon wieder stören musste, das richtige Zimmer im richtigen Haus und überließ mich meinem Schicksal. Am Ende der Geschichte brauchte es nur zwei Telefonate und ich befand mich 45 Minuten später samt meinem Gepäck in Frauenwald in dem netten kleinen „Gasthaus Waldfrieden“ mit einer besonders empfehlenswerten Gastronomie und freundlichem Service. Mein Stimmungspegel befand sich nun wieder auf NN Plus.
Meine Erfahrung dieses Wandertages zum Thema Leistungsgrenze: Solange man beim Wandern noch reden kann, ist die Leistungsgrenze noch weit entfernt (Zitat Dennis). Ein überwiegend schöner Tag mit einem genussvollen Abend.

Landschaft bei Masserberg

5. Reisetag

Leider handelte ich mir in den letzten zwei Tagen eine starke Erkältung ein, die sich noch zu verschlimmern schien. Demzufolge fuhr ich am nächsten Morgen mit dem Gepäckauto zum  nächsten Etappenziel: Masserberg ins Kurhotel Auerhahn. Dort wurde ich von der sehr freundlichen Hotelchefin empfangen, die mich sogleich auf mein Zimmer begleitete. Ein schönes Hotel mit sehr guter Küche.
Das Hotel und der Kurort waren genau das Richtige, um meine Erkältung auszukurieren; mir kam die Idee einen Wellnesstag im Badehaus des Kurhauses einzulegen, das tat ich dann auch.
Meine Erfahrung der letzten Wandertage: immer trockene Wäsche auf der Haut tragen; in den Wanderpausen ruhig mal wechseln.

Holzkirche in Neuhaus am Rennweg

6. Reisetag

Heute geht’s nach Neuhaus, wo der Rennsteig Rennweg heißt. Bei der Ankunft in Neuhaus traf ich Deutsch-Amerikaner, die mir den Weg zu meinem Hotel "Herrnberger Hof" zeigten. Dort angekommen, hatte man Medikamente zur Linderung meiner Erkältungsbeschwerden besorgen lassen. Was für ein Service. Mich wunderte die tolle Zusammenarbeit der Dienstleister untereinander. Hier kam man  in den Genuss von gut vernetzten Hotels, denen das Wohl der Wanderer ehrlich am Herzen lag. Pragmatisch, unkompliziert, anpackend, authentisch..
Hiermit erkläre ich Thüringen zu meinem zweitliebsten Bundesland.
In Neuhaus habe ich mir noch die schöne Holzkirche mit dem Schieferdach angesehen, in der evangelische und katholische Gottesdienste (ist das nicht wunderbar?), sowie Konzerte stattfinden.

Meine Erfahrung: manchmal ist es besser, weniger Kilometer zu wandern und dafür die schönen Orte und Sehenswürdigkeiten zu besuchen.

7. Reisetag

Der vorletzte Wandertag führt mich nach Steinbach am Wald. Das/die Hotel-Pension-Restaurant Rennsteig wird von einer Powerfrau bewirtschaftet, die in derselben Straße eine Konditorei „Café Fiedler“ betreibt, mit großer und gediegener Kuchenauswahl.
Mein Zimmer hatte einen Balkon, auch hier mit Blick auf sehr alte Fichten. Abends gab es gutes Essen in der rustikalen Gaststube.

Meine Erfahrung: Egal wo man ist, wen man trifft, es lohnt sich immer ein Schwätzchen zu halten.

Kuchen aus der Konditorei

8. Reisetag

Nach einem reichhaltigen Frühstück in einer vollen Gaststube (es gab sogar Kuchen aus der Konditorei), ging´s wieder los zur letzten Etappe nach Blankenstein. Die Wirtin erlaubte mir großzügig Verpflegung mitzunehmen. Diese letzte Etappe wollte ich nochmal genießen, trotz meiner leichten Erschöpfung und der immer noch andauernden Erkältung.
 Am Nachmittag kam ich durch einen kleinen Ort Namens Schlegel. Man musste nicht im Kalender schauen, welcher Wochentag gerade war, denn die Menschen waren dabei, die Bürgersteige zu fegen, ihre Autos zu waschen, Wäsche aufzuhängen usw..  Einen jungen „Auto-Wäscher“ fragte ich nach einem Café oder ähnlichem; obwohl ich mir nicht viel Hoffnung machte, zeigte er mir den Weg zu einer Gaststätte.
Es seien schon andere Wanderer dort, die sich ebenfalls erkundigt hätten, war sein Kommentar.
Tatsächlich machte ich Rast in dieser Gaststätte mit einem kauzigen Wirt und seiner Frau, die eine Küchenfee hatten, um kleine Gerichte zu servieren. Ich setzte mich zu einer Gruppe von vier Männern mit Hund nach draußen und bestellte mir eine Wurst mit Sauerkraut. Nicht zu vergessen ein großes Radler. Hier muss ich anmerken, dass ich noch nie so gut schmeckendes Sauerkraut gegessen habe. Es war köstlich. Auch die Unterhaltung mit den vier aus Wiesbaden, die wie im Mittelalter ihre Rucksäcke über einen Stock und diesen über die Schulter trugen.
So schön das Wetter während meiner gesamten Wandertour war, hatte die Sonne doch ihre Schwierigkeiten durch einige dunkle Wolken zu scheinen. Es fing sogar an zu regnen. Der Fahrplan der Bushaltestelle um die Ecke zeigte keine Möglichkeit, nach Blankenstein zu kommen. Am Wochenende fahren die Busse kaum. Am Ende brachte mich die Küchenfee persönlich bei ihrer Heimfahrt in mein Hotel nach Blankenstein.  Bei der kurzen Fahrt erwähnte ich ihr tolles Sauerkrautrezept und schlug vor, Werbung für das „Beste Sauerkraut in Thüringen“ für die Rennsteigwanderer zu machen, denn niemand dürfe ohne diesen Genuss daran vorbei gehen. Sie fand die Idee gut und wollte gleich morgen mit den Wirtsleuten darüber sprechen.

Nun war ich in Blankenstein angekommen – dem Ziel meiner Wanderung. Ein schöner Ort, meine letzte Nacht dieser schönen Woche. Nachdem ich meinen Stein in die Saale geworfen hatte, schlenderte ich zur Tourist-Information; dort ist der Treffpunkt der Wanderer und Einheimischen. Hier bedient auch schon mal der Bürgermeister die Gäste.

Bahnhof in Blankenstein

9. (Abreise-) Tag

Jeder Urlaub hat auch mal ein Ende. Am nächsten Morgen brachte mich der Wirt der hübschen, idyllisch gelegenen Pension noch zum Bahnhof , der sich um die Ecke befand. Der Zug fuhr schon viel früher ein und der Zugführer schlug vor, den Zug schon zu besteigen; es regnete leicht.


E n d e

Text & Fotos: Connie Bullwinkel

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