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Mythos Rennsteig

 

Ich weiß nicht, wann ich zum ersten mal so richtig vom Rennsteig hörte. War es bereits vor der Wende? Oder war es erst im Zusammenhang mit Grenzöffnung, Wiedervereinigung und Entdeckung der Schönheiten und des Charmes Ostdeutschlands durch uns Wossis? Ich weiß, dass ich in den 70er und 80er Jahren ein paar mal in der Rhön und in der Oberpfalz an der hässlichen Zonengrenze war und dachte, dass das Land hinter Grenzstreifen und Stacheldraht eigentlich genau so schön sein muss wie auf unserer Seite, schöner vielleicht, weil die Thüringer Berge und die im Erzgebirge eher noch ein wenig höher sind als im Vogelsberg und in der Rhön.

Unmittelbar nach der Grenzöffnung im Jahre 1990 besuchten wir Christels Verwandte in Brotterode und feierten die gewonnene Reisefreiheit mit einer Flasche Sekt auf dem Inselsberg, so wie wir es aus den Medien vom Brocken her kannten. Wobei wir uns der Tatsache nicht bewusst waren (warum eigentlich nicht?), dass wir uns mitten auf dem Rennsteig befanden, der wenige Jahre später einmal so viel Interesse bei uns wecken sollte.

Irgendwo und 1 oder 2 Jahre später traf ich einmal Skitourenkameraden aus Thüringen. Auf meine Frage nach den Skilanglaufmöglichkeiten in den ostdeutschen Mittelgebirgen kam sofort das Zauberwort: ”Rennsteig”. Irgendwann gab es im Fernsehen einmal eine Sendung über Oberhof und ich sah zum ersten mal das so viel versprechende große "R" und den typischen, grünen Rennsteig-Wegweiser. Irgendwann hörte ich zum ersten mal das Rennsteiglied, ”.... diesen Weg auf den Höhen bin ich oft gegangen, Vöglein sangen Lieder ....”, und so allmählich kapierte ich, dass der Rennsteig wohl etwas ganz besonderes sein muss.

Es wurde mir klar, dass es so etwas gibt wie den Mythos Rennsteig, der zu tun hat mit Wandern, Urlaub, Landschaft, Mittelgebirge, Wäldern, Winter, Schnee, Skilaufen, Freunden, Freiheit, Wende, Grenzöffnung und glücklich sein.
Im Oktober 2002 hatte ich Gelegenheit, im Rahmen einer 4-tägigen Moutainbike-Tour zusammen mit langjährigen, lieben Bekannten und bei herrlichstem Frühherbstwetter den Mythos Rennsteig etwas näher zu ergründen. Ergebnis: Meine Meinung über diesen Mythos besteht zu recht! Der Rennsteig ist viel mehr als einfach nur ein schöner Wanderweg, wie es so viele in unseren europäischen Mittelgebirgen gibt. Als Wanderweg ist er eine herrliche Linienführung über viele, endlose Kilometer hinweg, selbst ausdauernde Geher benötigen 4 bis 6 Tage zu seiner Bewältigung.

In jüngster Zeit hat man dem Rennsteig liebevoll eine Fahrradvariante zur Seite gestellt, die auch für gut konditionierte Biker eine anspruchsvolle Herausforderung darstellt. Die Landschaft ist unglaublich ansprechend. Tiefe, endlose Wälder, teilweise mit herrlichen Buchenbeständen, wechseln ab mit Waldwiesen und Buschwerk. Berghöhen und Lichtungen geben Fernblicke frei, für die das Prädikat ”sehr schön” eher eine Untertreibung wäre.
Ich habe beim Schreiben dieser Zeilen kurz daran gedacht, von ”atemberaubenden Fernblicken” zu sprechen. Nun, ”atemberaubend” wäre eher falsch. Atemberaubend war der Blick, den wir von Nätschen aus hatten, nach dem wir von der Maighelshütte kommend in die Martschallücke gestiegen und ins Oberalptal abgefahren waren, in einem Biergarten auf den Glacierexpress warteten, der uns zum Oberalppass zurückbringen sollte und die gegenüberliegenden, rabenschwarzen Pisten am Gamsstock betrachteten. Die Fernblicke vom Rennsteig sind eher nicht atemberaubend, sie sind einfach nur schön, extrem schön.

Aber der Rennsteig ist nicht nur wandern, biken, skilaufen, sondern auch Gastlichkeit (Kaffee, Kuchen, lecker Abendessen, herrliches fränkisches Bier und Thüringer Bratwürste, prima Hotels, etc.) und Kultur (Johann Wolfgang von Goethe, Martin Luther und viele mehr) und vor allem Geschichte (deutsche Kleinstaatlichkeit, die in den Rennsteig-Steinen ihren Widerhall findet, Napoleon und die Befreiungskriege, Demokratiebewegung Mitte des 1900ten Jahrhunderts, Kaiser- und 3tes-Reich und dann natürlich deutsche Teilung, Wiedervereinigung und Aufbau Ost. (In Oberhof entstand direkt am Rennsteig ein gigantisches, neues Biathlonstadion).

Es gibt eine ausgeprägte Rennsteigforschung, die von August Trinius im Jahre 1830 begründet wurde. Den Rennsteigverein mit seiner Zweckbestimmung, den historischen Höhenweg zu erschließen, zu betreuen und zu erforschen, gibt es seit 1892. Die Rennsteigliteratur füllt ganze Bücherregale.
Die Möglichkeiten, dem Mythos Rennsteig näher zu kommen, sind von daher gesehen unbegrenzt, aber ein Versuch wie dieser, diesen Mythos zu beschreiben wird immer Stückwerk bleiben. Wirklich näher kommen kann man ihm nur beim wandern oder biken auf diesen wunderbaren Höhen des Thüringer Waldes. Oder (sicherlich das beste) mit einer Tour in der kalten Jahreszeit auf den langen, schmalen Latten, die für so viele Liebhaber unserer Mittelgebirge im Winter die Welt bedeuten.

© Roland Raisig, Eckenhagen, im Jahre 2003

 

 

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