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Rennsteigwanderung im Dezember mit Kind und Kegel: Der Rennsteig ist im Winter am Schönsten!

Axel Bauer & Familie am Start der Wanderung in Blankenstein

Teil 1. In Blankenstein heben wir einen Stein auf

169,3 km liegen vor uns - In dem kleinen Ort Blankenstein, irgendwo im Nirgendwo, heben wir aus der Selbitz vier kleine Schieferstücke aus dem Flusslauf und stecken sie in die Hosentasche. Es ist der 27. Dezember und rundherum nieselt es. Zuhause hatten wir uns gedacht, „man könne ja auch einmal den Rennsteig abwandern“. Neben Baum pflanzen und Haus und Kind und so, ist die Rennsteigwanderung für einen Thüringer ja quasi ein Muss im Leben. Zu vergleichen wie die Pilgerfahrt nach Mekka für Muslime oder die Mt. Kailashumrundung für Buddhisten oder… .
Auf dem warmen Sofa neigt man auch schnell die kriechende Kälte des heimischen Winters in den Kammlagen zu vernachlässigen und in Wandereuphorie zu verfallen.

Die Ernüchterung spüren wir dann gleich am ersten Anstieg, welcher steil aus Blankenstein herausführt. Die Ansage an die Kinder lautet trotz allem: „Wir schaffen das.“ aber auch: „Es wird nicht gequengelt.“ Als Notanker ziehe ich unseren Radanhänger, wo die Kleinste, Selma mit ihren 6 Jahren, auch einmal kutschiert werden kann. Ansonsten liegt hier Gepäck drin. Smilla (9) will die Runst komplett schaffen. Mit Wibke sind wir zu viert und es liegen nach neuesten Messungen 169,3 km und 11 einsame Tage vor uns

Die Einsamkeit nach Weihnachten    
Den Rennsteigbeginn sehen wir unter uns im Tal, ein schneidiger Nordwind bläst ins Gesicht. Wibkes Eltern begleiten uns die ersten Kilometer, frieren mit uns mit aber spüren auch das Knistern, was einem solchen Anfang inne wohnt. Bis wir dann alleine sind, im Wald, auf dem schmalen Pfad, über die Wiesen.

Da es Winter ist, wählen wir die Warmduschervariante für die Übernachtungen, also in festen Häusern. Nach fast 20 km kehren wir in Grumbach in eine Pizzeria ein, wo für uns die Betten bereitet sind. Laut Aussage des Wirtes haben die letzten 6 Jahre keine Wanderer zwischen November und März hier genächtigt. Nun, jetzt machen wir einen Anfang, denn all die Sommerwanderer wissen gar nicht wie schön es hier im Winter ist.

Unser nächstes Ziel ist Steinbach am Wald, was in Bayern liegt. Auf dem Weg dahin, kreuzen wir mehrmals den ehemaligen Grenzstreifen. Jetzt wird er grünes Band genannt und ist Heimat für die unterschiedlichen Bäume und Sträucher mit ihren Tieren. Es ist ein herrlicher schmaler Streifen, der aus den Fichtenbestand herausfällt. Und wie schön sind hier die Trails, die sich auf 700 m über Meereshöhe dahin schlängeln. Inzwischen hat es auch etwas geschneit und ein weißes Kleid liegt auf der Landschaft.

Ungeahnte Stille umarmt uns im Wald vor Steinbach bevor wir den ersten Zivilisationlärm, sprich Autos hören.

Axel Bauer und Familie wanderten auch auf dem ehemaligen Grenzstreifen
Hier ist es besonders beqeum

Tiefpunkte    
Nach einer feinen Nacht in Bayern, starten wir frohen Mutes zum 3. Tag. Der Rennsteig führt nach Ortsausgang einige Kilometer neben einer Bundesstrasse entlang. Hier läßt sich eingängig studieren, was dem gemeinen Autofahrer in seinem Heiligtum stört und ungehemmt aus den Fenster fliegt. An erster Stellen stehen Kaffeebecher und Zigarettenschachteln, die alle 2 Meter zu finden sind. Dann folgen Verpackungen aller Art, Mc Donalds Tüten und ich würde sagen Restplastik. Da der Müll vom Auto aus nicht zu sehen ist, stört es auch niemanden.

An der Schildwiese biegen wir wieder ab ins Idyll und lassen uns von der Wintersonne verwöhnen. Die Temperaturen sinken weiter in den Minusbereich und werden bis zum Ende auch da bleiben.

In Spechtsbrunn haben wir den ersten moralischen Tiefpunkt erreicht, die Beine tun weh und die erste Euphorie ist verflogen. Nach einem zähen Anstieg liegt jetzt eine glitzernde und schneebedeckte Wiese vor uns, die perfekt zum Schneemannbauen ist. Bei Selma und Smilla verfliegt alle Müdigkeit aus den Knochen und purer Aktionismus ist zu spüren.

Frost am Rennsteig
Beim Schneemannbauen verflog alle Müdigkeit

Die Boten von Väterlichen Frost    
Das Wandern wird ja oft als Rentnerfreizeit belächelt. Doch an diesem neuen Wintermorgen der 4. Etappe sind es unter -10°C und bei einem sommerlich gemütlichen Wanderschritt würde der Körper zu wenig Wärme produzieren. Reichlich Action bieten die Eisflächen auf den Wegen außerdem, sodaß keine lange Weile aufkommt. Mit den Augen streichen wir über die weiten Hochflächen, bei blauem Himmel sehen wir weit hinunter ins Tal. Über Neuhaus kommen wir ins kleine Friedrichshöhe. Dort scheinen sich Fuchs und Hase Gute Nacht zu sagen. Auch wir übernachten hier unter den 34 Einwohnern aber einiges mehr an Touristen, die genau diese Ruhe suchen.

Der 6. Etappentag, Sylvester, erfreut unser Wanderherz mit trockener Luft und Sonne pur. Unter den Schuhen knarzt die 5 cm Schneeschicht, man wähnt sich am Polarkreis statt in Thüringen. Insgeheim hoffen wir auch andere Rennsteigwanderer auf der Runst zu treffen. Statt dessen tummeln sich heute um Masserberg viele Tagestouristen, die frierend und tief in ihre Jacken versteckt das alte Jahr ausklingen lassen.

Noch haben wir die Hälfte nicht geschafft und in den nächsten Tagen ist viel Schneefall angesagt. Ob unser Plan noch aufgeht bis zur Werra zu kommen erfahrt ihr im nächsten Teil.

Die Wanderschuhe an den Nagel hängen? Von wegen.
Tagesziel erreicht

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Hinweis:

Sehr lesenswerte Reiseberichte von Axel Bauer gibt`s auf der Seite www.abenteuerkultur.de (z. B. Neuseeland, Patagonien, Norwegen usw.).

Wer sich dafür interessiert, was der Innenarchitekt & Mobeldesigner sonst so macht, der schaut mal auf www.formplus.de vorbei.

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