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Unterkunft

Teil 2. Der Höhenweg bei -20°C und Schneesturm

Rennsteigkinder
„Ja wo kommt ihr denn her?“, fragt uns der Mann in Trainingshose auf den windigen Masserberger Höhen. Er erzählt, dass er seit 1984 immer wieder in den „Wald“ kommt und seine Runden dreht. Wandernde Rennsteigkinder hat er im Winter noch nicht gesehen und lädt uns begeistert zum heißen Kakao in die Triniusbaude ein. In der Hitze der Baude glühen unsere Backen.

Bis Neustadt müssen wir an diesem Silvestertag noch kommen, eigentlich auch noch Essen einkaufen. Doch der Weg dahin zieht sich lange, eisiger Wind weht von vorne bei -12°C und glühendrot untergehender Sonne. Müde erreichen wir das Bibelheim, das einzigste Haus im Ort, welches noch freie Betten zum Jahreswechsel hatte. Früh am Abend sinken wir schlafend in die Federn, stellen den Wecker aber auf Mitternacht, um mit verschlafenen Augen das Feuerwerk zu bestaunen.

Die süßen ersten Sonnenstrahlen des neuen Jahres begleiten uns in einer glänzend weißen Winterlandschaft. Ganz alleine stapfen wir Richtung Allzunah und finden überraschend die Rennsteigmitte. Nach 84,646 km und 88,5 cm ist es Zeit zu jubeln!

Kurz danach eine weitere Überraschung als Wibkes Eltern auftauchen, ein Stück mit uns gehen und uns liebevoll zum Essen einladen.

Passquerungen
Mit aus dem Himmel tänzelnden Polarschnee endet der Abend und beginnt der neue Morgen. Heute steht der Weg über den höchsten Berg Thüringens, dem Großen Beerberg mit 982 m ü NN, an. Klar es ist nicht der Khardung La Pass im Himalaya oder der Uturuncu in den Anden aber für kurze Beine, die sich durch den Schnee wühlen ein gefühlter Everest. Zum Glück haben wir ein Ziel und das heutige heißt „Maja“, der in Oberhof wohnt.  Er kommt uns laufend am Rondell entgegen, ist Leistungssportler Biathlon in der Trainingsgruppe von Marko Danz und ein guter Freund mit dem ich schon einige Berge bestiegen und Zeltnächte geteilt habe. Er weiß genau was auf einer Tour gebraucht wird: bestes Futter für höchste Leistungen. So gibt es große Mengen Rotebeetesuppe und frischen Salat zum Abendbrot. Da er als Single nur 2 Teller hat, essen wir nacheinander.

Einer geht immer voraus
„2 Tage noch“, ruft Smilla und zeigt an die Anzeige am Haus des Gastes in Oberhof. Dann beginnt der Biathlon Weltcup. Am Grenzadler wird gebaut und vorbereitet was nur möglich ist. Dort treffen wir Katharina, unsere Nachbarin und ihren Wanderfreund Rolf, dem Vorsitzenden des Thüringer Wald Vereines. Zusammen gehen wir lustig spielend oder leise tänzelnd und Geschichten folgend auf uns bekannten Rennsteigwegen. Am Gedenkstein von Günther Jung („Einer geht immer voraus“) vorbei, über die Schmalkalden Loibe, den Sperrhügel herunter. Wir fühlen uns wie im Wohnzimmer, obwohl wir im Schneetreiben die anderen kaum noch erkennen können und jeder aussieht wie ein Schneemann. Bei 15 cm Schneehöhe endet die Etappe am Nesselberg, wo uns das Elterntaxi nach Floh zum Übernachten bringt.

Spuren im Tiefschnee
Eine grobe Fehleinschätzung bringt uns in die Bredouille. Des nachts hat es im Tal nicht geschneit, so haben wir gedacht, weiter zu Fuß und mit Rädern am Wagen gehen zu können. Am Endpunkt von gestern versinkt heute die kleine Selma beinahe zur Hälfte im Schnee. Schneesturm peitscht uns entgegen. Es gibt nur ein Weg und der heißt nach vorne, immer weiter. Wie ein Arbeitspferd ziehe ich den Wagen durch den Tiefschnee in dem Selma jetzt sitzt. Vor uns liegt jungfräuliches Weiß, jeder darf einmal spuren und sich in der unberührtem Wildnis Alaskas fühlen. Smilla läuft unbeeindruckt von allem stoisch ihren Weg. Unsere heutigen Begleiter Oma Henny und Nachbarin Katharina bringt sie zum Staunen. Nach 6 Stunden kommen wir trotz eisiger Kälte nassgeschwitzt am kleinen Inselberg an und feiern den Geburtstag von Oma Marianne mit Kaffee und Kakao.

Materialwechsel
Eines ist klar: wir sind nicht mehr weit entfernt vom Rennsteigende aber zu Fuß kommen wir nicht mehr weiter. Wir müssen und dürfen endlich auf Skier umsteigen. Wie spüren eine gewisse Euphorie, die uns vielleicht bis Hörschel tragen wird. Im Hinterkopf haben wir  aber auch den Wetterbericht der Nachttemperaturen bis -20°C meldet. Sind wir dafür gerüstet?, geht mir durch den Kopf.

Am Inselberg steigen wir in die Rennsteig-Skiloipe ein. Wieder einmal spuren wir im Tiefschnee, sind die ersten die ihre Bahnen ziehen dürfen. Irgendwie sind wir den Loipenspurgerät immer einen Tag voraus. (oder es uns hinterher)
Doch wie schön ist es die Abfahrten einfach in Schussfahrt herunterrasen zu dürfen und nahezu schwerelos auf dem Pulverschnee zu gleiten. Selma hängt sich jodelnd hinter mir am Hänger fest und spielt, dass ich ihr Husky und sie mein Musher ist. An den kurzen steilen Rampen vor dem Dreiherrenstein würde ich aber gerne etwas anderes spielen!

Ein ausgewachsener Schneesturm macht uns den Weg zum Etappenziel Hubertushaus am Nachmittag nicht gerade leicht. Dort sinken wir schwer wie Blei auf die weichen Betten und stehen nur zum Essen auf, bis der Morgen graut.

Die letzte Etappe
Zum Frühstück erzählt uns die freundliche Chefin der Herberge, es sind -18°C, gemessen am Haus. Was tun? Wir holen die Russenschapka für Selma raus, Smilla bekommt zusätzlich die Gamaschen, 3 Thermoskannen mit Tee wandern in den Wagen und los gehts. Auf dem Weg zur Hohen Sonne verändert sich die Landschaft merklich. Der Fichtenbestand weicht dem luftigen Buchenwald und viele schöne Ausblicke ergeben sich. Selbst die Wartburg oberhalb von Eisenach ist wunderbar zu sehen.

Wir sind auf der letzten Etappe, die Elfte, das Ende des Rennsteiges und unseres Trips kommt in den Blick. Wir freuen uns mit jedem Schritt. Mir ist klar, die Leere der Tage, gefüllt mit dem stetigen Gehen ist der wahre Luxus dieser Zeit zwischen den Jahren. Freudestrahlend gehen wir durch das Tor zum Rennsteig, jeder zaubert seinen Stein aus der Hosentasche und wirft ihn in die eisige Werra.

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Eisige Grüße von Selma, Smilla, Wibke und Axel

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